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Freitag, 15. Januar 2010

Erster Eindruck: Dörr Monopod "Profi Mono 3"

So, es geht mal wider um Fotografie - heute um Hardware. Ich bin Amateurfotograf, leider ein ziemlich geiziger. Das stellt für mich selber manchmal ein Problem dar, da ich nicht einfach das Teuerste kaufe, sondern meist das Billigste, was meinen Ansprüchen gerade noch gerecht wird. Nun ja, meine neueste Errungenschaft ist jedenfalls das bereits in der Überschrift erwähnte Einbeinstativ, Kostenpunkt lt. preisliste 45,- €. Dieses Wochenende wird es bei einem größeren Sportevent 2 Tage lang beweisen müssen, was es in der Praxis taugt. Heute mal meine ersten Eindrücke. Dazu muss man wissen, dass ich mich u.a. für dieses Modell entschieden habe, da ich bereits seit langem im Besitz eines damals ebenfalls recht günstigen Dörr-Stativs befinde - das Dörr Adventure Hercules. Es ist immernoch im Handel erhältlich und mit ca. 40€ sogar um 5€ günstiger. Kein Profi-Teil, aber recht gut geeignet für den mobilen Einsatz da schön leicht und ausreichend Stabil. Ein Vergleich (so weit möglich) der beiden erfolgte quasi ganz von alleine und wird wesentlicher Bestandteil meiner Beurteilung sein.

Zunächst ein paar technische Daten zum Einbeinstativ: Länge 62 - 179cm. Gewicht 480g. 3-Wege-Kopf (abnehmbar), Fußarretierbügel. Zubehör: Wechselplatte, Tragetasche - im Lieferumfang enthalten.
Die Länge und die Wechselplatte waren dabei für mich, neben dem Preis, entscheidende Kaufargumente.

Der dreifach ausziehbare Fuß, offensichtlich Alu-Rohr, macht einen relativ stabilen Eindruck. Die Griffpolsterung liegt zunächst ganz gut in der Hand - lässt sich aber am Rohr relativ leicht "verdrehen". Zudem habe ich ziemlich kleine Hände - wer große Pranken hat, dem könnte das nicht ganz reichen. Der Kopf ist abnehmbar und auf ein Standard-Gewinde aufgeschraubt.  Vielleicht werde ich später davon gebrauch machen und mir einen besseren Kopf zulegen.


Der Kopf ist nämlich ein kleiner Problemfall. Das Material und die Art der Verarbeitung machen keinen sehr vertrauenserweckenden Eindruck. Spätestens hier muss der Vergleich mit meinem alten (dreibein-)Stativ erfolgen. Ich kann hier viel darüber schreiben - aber besser ihr seht es selbst, deshalb ein paar Bilder (klicken zum vergrößern).

Beim Dreibein würde ich von Kunststoff sprechen - beim Einbein höchstens von Plastik - ja, ich mache da einen Unterschied. Der Kunststoff des Dreibeins hat eine feine Oberflächenstruktur, abgerundete Kanten und wirkt insgesamt stabiler. Gussränder sind nicht zu sehen oder nur sehr unauffällig. Das Plastik des Einbeins sieht so richtig nach fernöstlicher Billigware aus, nicht nach deutscher Wertarbeit. Die Gussränder sind zu sehen, glatte Oberflächen und hier und da recht spitze Ecken.

Der kleine Hebel zum Schwenken des Kopfes wirkt beim alten Dreibein wie aus einem Guss - obwohl der Griff natürlich ebenfalls aus Kunststoff besteht, der Schaft hingegen aus Metall (brüniert). Beim Einbein ist der Griff nicht so gut ausgeformt und ist auf den blanken Metallschaft lieblos draufgesetzt. Wobei ich mich natürlich frage, was das Teil an einem Einbein überhaupt zu suchen hat. Leider lässt es sich nicht abnehmen. Durch das mehr oder weniger festziehen des Griffs wird nämlich die Neigung des Kopfes fixiert bzw. gelöst.


Jetzt der Punkt, der mich am meisten erstaunt hat - die Kamera kippt zur falschen Seite! Kleiner Exkurs: wie halte ich meine Kamera bei einem Hochformat-Bild? Der Normalknipser, der so eine kleine Hosentaschenkamera hat oder ein Fotohandy, wird die Kamera vermutlich im Uhrzeigersinn drehen, da das bequemer ist. Manche begehen sogar die Fotografische Todsünde, und fotografieren auf diese Weise Einhändig - vor allem bei Handy-Knipsern immer wieder gesehen. Um es noch bequemer zu machen wird die Kamera ein bisschen weiter vom Körper weggehalten. Es wird ja eh über das Display fotografiert (wer wundert sich eigentlich noch über unscharfe, verwackelte Aufnahmen?). Würde er die Kamera nämlich andersherum drehen, müsste er den rechten Ellbogen so komisch nach oben verrenken. Wer macht das schon?
Na, bei einer Spiegelreflexkamera bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig als sie gegen den Uhrzeigersinn zu drehen. Man kann sonst nicht mehr vernünftig durch den Sucher schauen, geschweige denn, die Kamera richtig im Griff haben und den Finger am Auslöser. Ehmmm - ach ja! Zurück zum Einbeinstativ: Die Kamera klappt nach rechts - im Uhrzeigersinn! Das kann sich nur ein Nicht-Fotograf ausgedacht haben. Oder der Produkt-Manager, der das entschieden hat, Fotografiert eben nur mit seinem Smart-Phone ;-)
Ganz clevere werden jetzt sagen: Dann dreh das Ding doch einfach um - wer sagt dir denn, wo bei dem Ding vorne und hinten ist. Dann zeigt der doofe Griff nämlich nach vorne und ist nicht mehr im Weg - und die Kamera lässt sich zur richtigen Seite kippen. ÄÄÄÄÄÄ - schlecht. 

Damit kommen wir nämlich zum den nächsten Bedienelementen. Ich wollte einen Kopf mit Wechselplatte, damit ich noch flexibler bin und die Kamera sehr schnell mal vom Einbein trennen kann. Der kleine Hebel dafür ist ausnahmsweise mal genau richtig platziert. Ich kann ihn mit dem Daumen der linken Hand öffnen sogar ohne die Hand von der Kamera zu nehmen. Die Feder, die diesen kleinen Hebel in seiner Position hält mach allerdings nicht den kräftigsten Eindruck - der war bei meinem alten Stativ auch um einiges vertrauenserweckender. Wenn ich jetzt also das Einbein einfach umdrehe, muss ich eine sehr seltsame Verrenkung mit der linken hand machen um diesen Hebel zu lösen.


Das Zweite Bedienelement, das dagegen spricht, ist die oberste Verschlussklemme des Teleskoprohrs. Durch lösen und wieder festklemmen kann ich so relativ einfach und schnell - sogar ohne hinzusehen, die Höhe verstellen. Die Hand gleitet am Schaft herunter und findet den Klemmhebel quasi automatisch.
Zu diesen Klemmen ist allerdings zu sagen, dass auch sie dem Vergleich mit dem alten Dreibein nicht standhalten. Sie sind kleiner und wirken vergleichsweise wenig belastbar.

Wenn wir jetzt schon auf dem Weg nach unten sind, beschäftigen wir uns jetzt mit dem sog. Fussarretierbügel. Äusserst missverständliche Bezeichnung, denn arretieren lässt sich hier nichts – weder der Bügel noch das Einbeinstativ. Es baumelt einfach unten lose dran. Hebe ich das Stativ mal hoch, trage es wo anders hin, ist die Wahrscheinlichkeit 50:50, dass es sich anschließend auf der falschen Seite des Stativs wieder findet – und zwar so, dass es eigentlich sinnlos ist.

Hier habe ich selber improvisiert und Abhilfe geschaffen. Zum einen mit einem kleinen Gummiring, der Verhindert, dass der Bügel einfach unten einfach zur falschen Seite baumelt  (nicht im Lieferumfang enthalten) – hier hääte ich mir schon vom Hersteller eine kleine, stabilere Lösung gewünscht (hätte das Produkt wahrscheinlich um sagenhafte 30ct verteuert).  Zum anderen nutze ich eine kleine 99ct-Leimklemme aus dem Baumarkt, um den Bügel am Schaft festzuklemmen, wenn ich ihn gar nicht einsetzten möchte. Was wohl meist der Fall sein wird. Vielleicht löse ich das „Problem“ irgendwann endgültig mit einer Metallsäge.




Bleibt noch ein letztes Problem, dass ich ansprechen möchte - die mitgelieferte Tasche. Die Tasche meines alten Dreibeins tut seit Jahren klaglos ihren Dienst - ohne größere Verschleisserscheinungen. Die Tasche des einbeins wies bereits bei der Lieferung ein kleines Löchlein auf, verursacht durch eine Kombination aus schlechter Passform (zu kurz), dünnem Material und der etwas zu scharfkantigen kleinen Flügelschraube, die im zusammengeschobenen Zustand das obere Ende bildet.
Zudem ist leider die Trageschlaufe bei der neuen Tasche viel zu kurz ausgefallen, was sie praktisch fast überflüssig macht. 


Fazit: Es hat mich wirklich erstaunt, dass das 5€ günstigere Dreibeinstativ einen so viel besseren Eindruck macht, vor allem, da es im gesamten Aufbau ja um einiges komplexer und damit vermutlich auch teurer in der Herstellung ist. Ich äussere hier mal die Vermutung, dass hier wohl irgendwann Sparmassnahmen am falschen Fleck stattgefunden haben.


So, das war für heute glaube ich genug gemeckert – mehr dann irgendwann nächste Woche – mein Praxisbereicht.


Übrigens, die Bilder in diesem Bericht entstanden mit meinem SonyEricson C902. Ebenfalls ein Teil eines Praxistests von dem ich ein anderes mal breichte.